Mai
2008
Wie Haso an Twitter scheiterte
Kürzlich schrieb mir Kerstin Hack, ich sei der “virtuell lebendste” Mensch, den sie kennt – nur weil ich ihr mitgeteilt hatte, dass ich Bücher (fast) nur noch lese, indem ich sie per Online-Suche in einer Bibliothek ausfindig mache, über das Internet-Portal unserer Stadtbibliothek an eine nahegelegene Filiale bestelle und mich per Email benachrichtigen lasse, wenn das Buch da ist.
Aber sie hat schon recht. Mein Ziel ist, nicht nur mit Gott, sondern auch mit meinem Nächsten “ohne Unterlass online zu sein” (nach Kolosser 4,2). Da konnte sich kein vollkommener Seelenfriede einstellen, solange Twitter und Haso getrennte Wege gingen.
Twitter wurde zum Muss. Auf twitter.com las ich:
Twitter is a service for friends, family, and co–workers to communicate and stay connected through the exchange of quick, frequent answers to one simple question: What are you doing?
Also wollte ich alle Welt mit “quick, frequent answers to one simple question” erfreuen: “What is Haso doing?”Um sicher zu sein, dass ich alles richtig verstanden hatte, machte ich mich zunächst damit vertraut, wie andere Zeitgenossen Twittter einsetzen. Über eine Twittersuche stieß ich auf den Tafeltrommler. Von ihm zu lernen konnte kein Fehler sein. Was twitterte er?
ok. eben eingenickt mit macbook aufm schoß im bett und mit kopf gegen die wand gedotzt. Jetzt wieder wach.
Ohne Twitter hätte ich nie erfahren, wie einschläfernd MacBooks sein können. Aber ich hatte richtig verstanden. Twitterer sind Menschen, die nichts zu verheimlichen haben, sondern Tag und Nacht der übrigen Menschheit mitteilen, was sie eben getan haben, gerade tun oder gleich tun werden. Und das mit jeweils nicht mehr als 140 Zeichen.
Heute war der Tag der Tage – mein erster Tag mit Twitter. Schon gestern Abend hatte ich mich angemeldet, um in der Frühe gleich loslegen zu können. Und so begann mein Twitter-Experience:
6.56: eben aufgestanden, auf klo gegangen, gewaschen, ersten cappuccino gemacht.
6.57: eben getwittert, dass aufgestanden, auf klo gegangen, gewaschen, ersten cappuccino gemacht.
6.58: eben getwittert, dass getwittert, dass aufgestanden, auf klo gegangen, gewaschen, ersten cappuccino gemacht.
6.59: eben getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass aufgestanden, auf klo gegangen, gewaschen, ersten cappuccino gemacht.
An dieser Stelle übersah ich, dass meine wachsenden Meldungen sich der 140-Zeichen-Grenze näherten. Ich setzte gewissenhaft fort:
7.00: eben getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass aufgestanden, auf klo gegangen, gewaschen, ersten cappuccino gemacht
7.01: eben getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass aufgestanden, auf klo gegangen, gewaschen, ersten
7.02: eben getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass aufgestanden, auf klo gegangen, d
7.03: eben getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass aufgestanden, da
7.04: eben getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass getwittert, dass
Allmählich wurde mir klar – Twitter pflichtbewusst betrieben führt auf direktem Weg in eine Endlosschleife. Und endlos schleifen lassen wollte ich mich nicht. So wurde aus Hasos erstem Tag mit Twitter Hasos letzter Tag mit Twitter.
Immerhin weiß die Welt jetzt, dass ich aufgestanden und auf Klo gegangen bin, dass ich mich gewaschen und meinen ersten heutigen Cappuccino gemacht habe.
Haso



Ich möchte Haso, der soweit ich weiß ja Mathematiker ist, auf folgende Lösung des Problems aufmerksam machen:
“eben getwittert, (dass getwittert,)^n (n aus N) dass aufgestanden, auf klo gegangen, gewaschen, ersten cappuccino gemacht”
Also viel Spass beim weiter-Twittern…
Andreas
Och…
Du bringst mich zum lachen.
Es ging mir ähnlich. Bekehrt durch meinen Web2.0 Helden Cedric, hab ich mich auch bei Twitter angemeldet. Aber nach 2 Wochen war Schicht im Schacht, vor allem weil ich garnicht soviel pupsen konnte, wie meine Beiträge an Flachheit zu nahmen. Dann lieber Bloggen wenn ich Bock drauf hab.
@Martin: hab ich dir gegenüber jemals was von twitter erwähnt?
. @haso: cooler post, habs natürlich gleich mal getwittert.