21
Juli
2008

Eine Woche igephoned

Auch bei einer Vernunftehe ist Liebe nicht ausgeschlossen, und so gebe ich gern zu, dass ich dem Charme des iPhone verfalle. Das ändert aber nichts daran, dass ich mir das Teil vorrangig aus Nützlichkeitserwägungen angeschafft habe. Nach einer Woche zeichnet sich ab, dass meine Erwartungen im Großen und Ganzen erfüllt werden. Für Interessierte ziehe ich eine erste Zwischenbilanz, mit der Vorbemerkung, dass ich kein iPhone-Crack bin. Mein Gerät ist weder gehackt noch linux-verbindbar (unser guter alter Windows-XP-Familienrechner tut mir an dieser Stelle ausreichende Dienste), und wer tiefergehende Einsichten gewinnen will, ist bei diversen Foren besser bedient.

Mein Bedarf

Ich bin viel unterwegs und möchte überall Zugriff auf mein Büro-, Informations- und Kommunikationssystem haben. Weil ich meine Wege fast ausschließlich mit dem Öffentlichen Nah- und Fernverkehr zurücklege, unter Einschluss entsprechender Fußwege von und zu Haltestellen, erleichterte vor einigen Monaten der Asus EEE PC meinen Rucksack um 1 Kilo. In der Folge stellte ich mein Büro noch mehr auf webbasierte Dienste um, um von mehreren Rechnern auf die gleichen Daten und Dateien Zugriff zu haben. (Ich habe keine Lust, ständig verschiedene Geräte zu synchronisieren.) In Verbindung mit einer UMTS-Flatrate war dieses System schon recht praktikabel und komfortabel, aber doch noch nicht zufriedenstellend. Ich brauche oft kurze, schnelle Informationen, bei denen es aufwändig ist, den Asus hochzufahren, online zu gehen und nachzuschauen. Das verlangte nach einem smarten Phone.

Das iPhone als Mobilbüro

Für folgende Bürofunktionen nutze ich inzwischen das iPhone regelmäßig:

Mail: Das Mailprogramm des iPhone synchronisiert tadellos mit Googlemail, wo alle meine Email-Adressen zusammenlaufen. So bin ich ständig erreichbar und kann, wenn nötig, zeitnah reagieren.

Safari: Meine anderen Anwendungen laufen meist über den Safari-Browser, der sehr gut an das iPhone angepasst ist. Da außerdem viele Firmen wie Google ihre Dienste in speziell auf das iPhone (oder überhaupt mobile Geräte) zugeschnittenen Versionen anbieten, ist der Komfort meist ausreichend. Auch normales Surfen geht.

Kalender: Beim Google Calendar gibt es allerdings schon eine Einschränkung. In seiner mobilen Version ist er zwar sehr übersichtlich, doch man kann Termine nur nachschlagen, nicht eintragen. Letzteres geht in der normalen Version, ist aber etwas fizzelig.

Adressbuch: Mein Adressbuch sind, der Leser ahnt es schon, die Google Contacts. Leider lässt sich dieses bisher nicht direkt mit dem iPhone synchronisieren. Über iTunes geht es allerdings problemlos, und da ich nicht Tag und Nacht ständig Kontakte eingebe und bearbeite, reicht mir ein Abgleich in mehrtägigen Abständen völlig aus.

ToDo-Liste: Meine Aufgaben verwalte ich über Rememberthemilk, als Premium-User steht mir eine brauchbare iPhone-Darstellung zur Verfügung.

Notizen: Google Notebook funzt einwandfrei.

Meine Dateien: Dateien, die ich bei Google Docs liegen habe, kann ich vernünftig aufrufen und lesen, außer den PDF, die man dort seit kurzem auch aufbewahren kann. Das stört mich aber nicht weiter, da ich inzwischen über die Amazon Web Services in Verbindung mit Jungledisk ein automatisches Online-Backup eingerichtet habe. Dadurch kann ich alles, was ich an Office-Dateien und PDF besitze, mit dem Phone einsehen.

Eine Bearbeitung ist mit dem iPhone allerdings nicht möglich und würde auch keinen Spaß machen. Dafür trage ich weiterhin den Asus bei mir. Zwar spare ich mir in Zukunft die Ausgaben für die UMTS-Flat, aber Berlin hat eine genügende Dichte an Cafés und anderen Plätzen mit WLAN. Wenn also unterwegs größere Schreibarbeiten angesagt sind, verrät mir das iPhone, wo die nächsten Hotspots zu finden sind, und dort kann ich das dann in Ruhe erledigen.

Das iPhone als Info-System

Feedreader: News, Blogs und dergleichen lese ich über den Google Reader, der eine sehr brauchbare iPhone-Darstellung anbietet. Da ich diesbezüglich Vielleser bin, bringt mir das iPhone an dieser Stelle echten Zeitgewinn. Auch kurze Warte- oder Fahrtzeiten lassen sich zur Lektüre nutzen. Womit ich mich später weiter befassen will, wird markiert. Und wenn ich nach Hause komme, leidet mein Reader nicht an Überfüllung.

Karten und Fahrten: Der Stadtplan mit GPS tut gute Dienste. Auch Fahrplanauskünfte lassen sich gut einholen. Erfreulich, dass es für Berlin ein Zusatzprogramm (Fahr-Info) gibt, mit dem man per GPS schnell die nächstgelegenen Haltestellen findet und übersichtliche Aufstellungen der nächsten Verbindungen zum nächsten Ziel erhält. (Das Programm hat noch ein paar Kinderkrankheiten und Mucken – die in Arbeit sind -, leistet mir aber dennoch gute Dienste und ist viel cooler als die BVG-Auskunft.)

Sonstiges: Zur allgemeinen Suche nutze ich die mobile Version von Google; Wikipedia für das iPhone bietet iPodia; deutsche Bibel (www.die-bibel.de/iphone) und griechisches NT (bibelwissenschaft.de/online-bibeln) lassen sich bei der Deutschen Bibelgesellschaft recht gut nachschlagen und lesen usw.

Karl May: Jeder hat seine peinlichen Geheimnisse. Ich lese seit einiger Zeit gelegentlich wieder Karl May. Mit dem iPhone geht das ganz gemütlich im Bus oder auf dem Klo.

Das iPhone als Phone

Ach ja, telefonieren kann man mit dem Ding auch. 1000 Inklusivminuten sind für mich einer Sprachflat gleichwertig. (Diejenigen unter meinen Lesern, die meine alten Nummern haben, seien an dieser Stelle informiert, dass ich darüber weiterhin erreichbar bin.) Außerdem könnte das iPhone aus einem SMS-Muffel wie Haso einen gelegentlichen User dieses Kommunikationsmittels machen.

Multimedia

Im Multimedia-Bereich gibt es Lücken. Das stört mich aber wenig, weil hier nicht mein Hauptinteresse liegt. Was online sehr schön läuft, sind Youtube-Videos, für die das iPhone mit einem speziell zugeschnittenen Programm aufwartet. Alles andere funktioniert, wenn überhaupt, meist nur per Synchronisation über iTunes, mit der für Apple typischen eingeschränkten Auswahl an akzeptierten Formaten. Aber solange mp3 für Musik und mp4 für Videopodcasts (wie die Ted Talks) gehen, bin ich zufrieden.

Akku

Der Akku hält unter Höchst- und Dauerbelastung derzeit fünf Stunden. Da ich nicht ständig höchst- und dauerbelaste, heißt das in der Praxis, dass eine Akkuladung für einen Tag (oder zwei) reicht. Das war beim Asus nicht anders, und da das Gerät mit einem kleinen, handlichen Netzladegerät ausgeliefert wurde, kann ich zur Not unterwegs nachsaften.

Soweit ein erster Zwischenbericht. Weil alle oben genannten (und weitere) Funktionen mehr oder weniger intensiv zu meinem Alltag gehören, fällt mein Fazit positiv aus: das iPhone verschafft mir größere Flexibilität, mehr Effizienz und viel Fun.

4 Kommentare

  1. Björn:

    Haso, Haso,

    ich muss schon sagen: Respekt! So eine Vernunftsehe einzugehen hätte ich dir so nicht zugetraut und wärest Du ein anderer so würde ich es dir – mit Verlaub – nicht abkaufen.
    So aber – Du lieferst den Beweis, dass es eben doch kein Spielzeug ist und nicht nur den Hype befriedigt (diesem Hype hättest Du mit Sicherheit leicht stand gehalten), sondern dein digitales Leben vereinfacht.
    Und bewegt mich neu nachzudenken über Varianten, die ich nehmen kann um meinen digitalen Alltag zu erleichtern – T-Mobile kommt für mich ob der Kosten nicht in Frage, aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten an das Ding zu kommen…
    Bis spätestens im Herbst! Danke für deinen Erfahrungsbericht!

    Liebe Grüße aus Karlsruhe

    Björn

  2. Günter J. Matthia:

    Karl May – vielleicht sollte ich den mal wieder ausbuddeln, habe in jungen Jahren sämtliche Bände mit großer Begeisterung verschlungen.
    Allerdings muss ich Haso eine Rüge erteilen für den Gebrauch der Wortschöpfung “igephoned”. Da sträuben sich ja sämtliche noch verbliebenen Haare…

    ;-)

  3. Lars:

    Ich bin auch immer noch am Überlegen, ob ich mir ein iPhone holen soll, ich hatte extra bis zum 3G gewartet und nun beginne ich mich doch für Alternativen zu interessieren.

  4. bergemensch:

    http://www.heise.de/newsticker/iPhone-Nutzer-sind-ledig-und-unter-35–/meldung/113138/from/rss09

Einen Kommentar hinterlassen:

Using Yaletown Theme for Wordpress.