3
März
2006

Romans VII: Still faithful after all these years

Vorgestern habe ich in dieser Reihe die gefühlte Lebenstemperatur unseres Mister “Ich” beschrieben. Nun ist es Zeit, nachzumessen und herauszufinden, wie es wirklich um ihn bestellt ist.

Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, dass das Gesetz gut ist. (Vers 16)

Mitten im Tohuwabohu macht Mister “Ich” Entdeckungen, die Schritt für Schritt zum Schlüssel für die Situation werden. Die erste lautet: “Wenn ich tue, was ich nicht will, gebe ich zu, dass Gottes Wille gut ist.” Die Tatsache, dass Mister “Ich” von seinem eigenen Tun enttäuscht ist, sich selbst verurteilt, und manchmal vielleicht an sich selbst verzweifelt, beweist: in seinem Inneren hat er ein “Ja” zu Gottes Willen.

Wörtlich schreibt Paulus: “Ich stimme dem Gesetz zu” oder “Ich stimme mit dem Gesetz überein, dass es gut ist”. Mister “Ich”, der sich weit ab von Gottes Willen wähnt, ist in Wirklichkeit innerlich in Übereinstimmung mit diesem Willen. Sonst würde er gar nicht erst an seiner Zerrissenheit leiden.

Eigentlich liebt Mister “Ich” den Willen Gottes. Sein “Ungehorsam” ist nicht kühl geplant und frech durchgeführt. Er erliegt vielmehr immer wieder der Situation, der Furcht, den Nerven, der Müdigkeit, dem “Fleisch” oder der Versuchung. Ohne diese Umstände würde er manches nie tun. Was gäbe er drum, wenn er es endlich schaffen würde.

Mister “Ich” mag den Willen Gottes gesetzlich missverstehen. Er mag mit seinen Vorsätze scheitern. Das ändert nichts daran: in seinem Inneren stimmt er mit dem Willen Gottes überein. Sogar die scheiternden Vorsätze zeigen: diese innere Übereinstimmung meldet sich immer wieder. Es braucht nur einen intensiven Gottesdienst oder eine Wochenendfreizeit, und schon spricht sie wieder an.

Ich empfinde Wertschätzung für die Treue von Mister “Ich”. Denn Treue nenne ich, was ich bei ihm beobachte. Er selbst mag sich für untreu halten. Aber er irrt sich. Tief in ihm ist etwas installiert, was ihn nicht vom Willen Gottes loskommen lässt. Egal wie oft er scheitert, er sagt nicht: “Die Bibel ist ein bescheuertes Buch. Ich bin doch nicht so blöd, dass ich mich nach Gott richte.” (Und wenn in einem Anfall von Resignation solche Gedanken in seinen Kopf kommen, revidiert er sie, sobald er wieder klar sieht.) Er versucht es erneut, er hofft erneut.

“Siebenmal fällt der Gerechte und steht doch wieder auf” (Sprüche 24,16). Von Jesus wissen wir, dass in solchen Sätzen “siebenmal” durch “siebzigmal siebenmal” zu ersetzen ist. Wer nach dem Fallen wieder aufsteht, ist ein Gerechter – egal wie oft er fällt. Und wen Gott gerecht nennt, der nenne sich selbst nicht ungerecht.

Ein Hiob hält an Gott fest, obwohl sich alles gegen ihn verschworen zu haben scheint. Ein anderer glaubt immer noch, dass Gott heilt, obwohl in seiner Umgebung mehr Christen krank als gesund sind und er am eigenen Leib die Seuche rumschleppt. Mister “Ich” will immer noch als Christ leben, obwohl ihm Nachfolge ein ums andere Mal misslingt. Einer ist so treu wie der andere.

Was Mister “Ich” gerade erlebt, ist sicher nicht Gottes Bestes für ihn. Aber es ist viel besser, als es wäre, wenn er Gott nicht kennen würde. Es wäre ihm zu wünschen, dass er bald einige Entdeckungen macht, die sein Down-and-Up wirkungsvoller beenden als seine erfolglosen Vorsätze. Aber bis dahin möge er nicht verachten, dass er aufrichtig sagen kann: “Ich gebe zu, dass Gottes Wille gut ist.”

Fortsetzung folgt.

6 Kommentare

  1. storch:

    amen. treue ist gerade deshalb eine der christlichen grundtugenden weil sie uns erleben lässt was gott für uns hat. wer keine treue hat erlabt auch nicht, was das leben mit jesus alles mit sich bringen kann.

  2. Phil:

    Oder, wie es in einem schönen Lied heißt: “Still /crazy/ after all these years”. (Hier werden ja gerne 70er-Jahre-Liedtexte bemüht ;-) ) Und mit David darf ich anfügen: “And I’ll become even more undignified than this”.

    Wirklich richtig klasse (der Herr kennt ja die Seinen) finde ich die Aussage, daß nicht derjenige sieben(mal siebzig)mal fällt, der sich bemüht, gerecht zu sein; nein, der *Gerechte* tut dies. Und steht mindestens genauso oft wieder auf, an der Hand des Vaters.

    Ich wünsche mir, immer schneller nach dieser Hand zu greifen. Allzu oft noch meint eine noch zu korrigierende Haltung in mir, ich müsse erst wieder stehen (ist das eigentlich auch neue Rechtschreibung für “widerstehen” genau an dieser Stelle des Satzes?), ehe ich des Vaters Hand anfassen darf.

    Phil.

  3. haso:

    hi phil, das hast du ganz richtig geblickt. der alte haso hat den alten paul simon im ohr und damit die vorlage für den heutigen titel. aber “still crazy” gilt für mich unbedingt auch.

  4. wesmont:

    Am Wochenende fahn wir mitte ganze Gemeinde auf ne Freizeit. Da tu ich, wegen de Geschwista, nur wat ich will. (gähn)

  5. Wolfgang von Monts:

    …interessanter Gedankengang und , wenn gestattet, noch zu ergänzen: Die Gabe der Erfahrung gibt deinem Mr.Ich die Möglichkeit gewisse Downs zukünftig zu meiden. Erfahrung ist Gottes Ausgleich in der ständigen Veränderung, denn Sie bewahrt uns eine Konstante,die Gott in seiner Ewigkeit ähnelt.

    Frieden!

  6. Hasos Tafel » Romans VII: The flesh:

    [...] hatte Mister “Ich” schon herausgefunden: die gefühlte Lebenstemperatur kann täuschen. Erste Nachmessungen ergaben bereits einen anderen Befund. Mister “Ich”s Leben gleicht der Beschreibung [...]

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