9
September
2008

Urlaubslektüre 2

Das zweite Buch, dass ich im Urlaub gelesen habe, ist “Jim & Casper Go To Church“. Dies ist ein (auch gegenüber meinem eigenen christlichen Camp) kritisches Buch, welches meine Frau und ich sowohl vergnüglich als auch wichtig finden. Jim Henderson ist ein amerikanischer Christ, der Gemeinden dadurch helfen will, dass er ihnen einen Einblick verschafft, wie sie auf Außenstehende wirken. Dafür suchte er sich in Matt Casper einen nichtchristlichen Partner, der bekennender Atheist und mit natürlicher Menschenliebe, gesundem Menschenverstand und unbestechlichem Blick ausgestattet ist.

Gemeinsam besuchten sie eine Reihe illustrer amerikanischer Gemeinden aus jedem denkbaren Frömmigkeitssegment. Unter anderem waren sie Gäste in Rick Warrens Saddleback Church, bei Mosaic (Erwin McManus), natürlich in Willow Creek, in einer traditionellen Presbyterianischen Kirche, bei diversen Non-Mainstream Churches (von emergentem und anderem Zuschnitt) sowie in Lakewood bei Joel Osteen. In dem Buch werten sie ihre Erfahrungen aus, wobei Casper sich durch sympathische Offenheit, ohne Scheu vor heiligen Kühen und ohne falsche Rücksichtnahme, auszeichnet. Auch wenn viel kritisiert wird, habe ich an keiner Stelle den Eindruck, dass seine Feedbacks bösartig oder kleinkariert sind. Stattdessen halte ich viele seiner Statements für nötig und hilfreich – auch solche, bei denen ich mich selbst ertappt fühle (davon gibt es mehr, als mir lieb ist).

Welche Reaktionen lösen Casper’s “Gutachten” aus? Für Jim Henderson blieb vor allem eine Frage hängen, die Matt Casper ihm immer wieder nach Gottesdienstbesuchen stellte: “Is this what Jesus told you guys to do?” Meine Frau stellte fest, dass viele Dinge, die sie selbst als unnatürlich empfindet, von Casper angesprochen wurden. Mein eigenes Fazit würde ich wie folgt beschreiben:

Wir Christen brauchen Freunde und Kritiker wie Matt Casper. Unser größtes Problem ist nicht, dass wir nicht “biblisch” oder “geistlich” genug sind, sondern dass wir in weiten Teilen immer noch unnatürlich, unpraktisch und irrelevant sind. Und wer könnte uns besser helfen, unsere blinden Flecke zu entdecken, als Nichtchristen, die nicht mit derselben Betriebsblindheit geschlagen sind wie wir?

In der Vergangenheit war ich eher darauf bedacht, mit Nichtchristen (1) eine Basis für gemeinsames Engagement zu finden, wobei ich hoffte, dass sie (2) meinen Glauben und meine Glaubenspraxis gut fänden. “Jim & Casper Go To Church” hat in mir den Wunsch geweckt, zunächst einmal mehr auf Nichtchristen zu hören und von ihnen zu lernen. Ich wünsche mir einen nichtchristlichen Freund, der mich gut genug kennt, um mir offen zu sagen, wo meine eigene Glaubenspraxis doof ist.

6 Kommentare

  1. Günter J. Matthia:

    Das klingt nach einem Buch, das mich interessiert. Danke für den Tipp, ich werde es mal als Lektüre vormerken.

  2. Freddy:

    klingt hochinteressant…gibts das denn wohl auf deutsch?

  3. Robert:

    Wir Christen haben manchmal vielleicht ein komische Wirkung auf Nichtchristen. Stimmt schon. Deshalb müssen wir im Heiligen Geist leben das zieht nämlich an.

  4. Robert:

    ach s…… vertippt Gib es das Buch auch in Deutsch?

  5. haso:

    ich glaube kaum, dass das buch in deutsch rauskommen wird, weil alle berichte über gemeindebesuche sich auf gemeinden der usa beziehen. ich bezweifle, ob ein deutscher verleger sich davon genügend marktchancen versprechen würde.

  6. Wolfgang:

    Robert, es gibt aber ein anderes Buch in der Richtung auf Deutsch, das gewissermaßen auch von Jim Henderson inspiriert ist: “Biete Seele, suche Gott – Was ein Atheist in christlichen Gemeinden erlebte” von Hemant Mehta, erschienen bei R. Brockhaus.

Einen Kommentar hinterlassen:

Using Yaletown Theme for Wordpress.