März
2006
Alles ist mir erlaubt
Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. (1.Korinther 6,12)
Mir scheint, Christen haben Angst vor der Freiheit. Vor der eigenen und vor der des anderen. Wie sonst ist es zu erklären, dass ich mich an keine einzige Predigt zum Thema “Alles ist mir erlaubt” erinnere? Und wenn die obenstehende Aussage des Paulus schon einmal zitiert wird, dann mit einer eigentümlichen Betonung:
Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich.
Da wird schon gewarnt, bevor freigesetzt wird. Doch zuerst lese ich: “Alles ist mir erlaubt.” Punkt. Wenn mir alles erlaubt ist, dann bin ich frei. Ich kann diesen Tag planen, wie ich will. (Natürlich gibt es auch für mich Termine und Aufgaben, die bereits feststehen. Aber ich kann planen, mit welch einer Haltung ich mich diesen Dingen stelle.) Dazu stelle ich mir zwei Fragen: (1) Was möchte ich heute wirklich tun? (2) Was tut mir heute gut?
Diese beiden Fragen sortieren eine Menge Schrott aus. Sie bringen mich auf wichtige Ideen und Prioritäten. Ich möchte heute weder mich selbst noch andere Menschen verletzen. Ich möchte heute meine Freundschaft mit Gott weiterentwickeln. Ich möchte einen sinnvollen Tag verbringen. In den Begegnungen dieses Tages möchte ich konstruktiv und aufbauend für andere sein. Wo es nötig ist, möchte ich mich abgrenzen. Und genießen möchte ich die nächsten Stunden auch. Wenn mir das gelingt, werde ich am Ende dieses Tages ein gutes Gefühl haben.
Wie fange ich das am besten an? Ich habe schon lange gemerkt, dass Gott mehr Durchblick hat als ich, und dass er es besser mit mir meint als ich selbst. (Wenn er nicht aufgepasst hätte oder mich immer wieder herausgehauen hätte, hätte ich mich schon längst ruiniert.) Deshalb frage ich ihn, ob er gute Ideen für heute hat. Er wäre nicht sauer, wenn ich auf eigene Faust loszöge. Er fände es nur schade, wenn manche seiner guten Absichten auf der Strecke blieben, weil meine inneren Ohren noch nicht hellhörig genug sind. Doch viele Sachen überlässt er einfach mir.
Deshalb sage ich:
Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich.
Die Entscheidungen dieses Tages treffe ich. Das, was ich wirklich tun will, tue ich. Gott lässt mir diese Freiheit. Aber weil er mein Freund ist, lasse ich mir gern von ihm raten.
Haso



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