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April
2006

“Nimmt dich dein Vater manchmal in den Arm?”

Gerade gefunden: ein Bericht in Spiegel Online über einen Anti-Aggressionstrainer, der in Berlin-Spandau mit “auffällig” gewordenen Kids im Alter von 12 bis 15 Jahren arbeitet. Lesenswert. Zwei Auszüge:

Seine letzte Schlägerei hat er [Mevlüt] angezettelt, weil ein Mitschüler ihn angesehen, einfach nur Blickkontakt aufgenommen hat. “Bevor er mir eine geben konnte, habe lieber ich ihm eine gegeben”, sagt Mevlüt. Jetzt ist sein Mund trocken, er will nur noch, dass es vorbei geht. Keine Spur von einem Ghetto-Kid, nichts zu sehen von Coolness und Härte. Ob sein Vater ihn manchmal in den Arm nehme, fragt Lück. Mevlüt schaut nach unten und schüttelt den Kopf. “Wünschst du dir das denn?” Er nickt, kaum merklich, sein Oberkörper bebt.

Er [Lück, der Trainer] schont keinen seiner Schützlinge, der Umgangston ist rau, aber dennoch vertrauensvoll. “Olli ist in Ordnung”, sagt ein Teilnehmer der Runde. Die Schüler scheinen zu erkennen, dass es hier jemand ernst mit ihnen meint, sich wirklich mit ihnen auseinandersetzt. Auffällig oft suchen sie geradezu körperlichen Kontakt zu dem 1,90-Meter-Mann. Lück weiß, wie gut ihnen ein Schulterklaps, eine Hand auf dem Kopf oder eine andere banale Berührung tut.

Wenn es eine Lösung für das Gewaltproblem unserer Stadt gibt, dann finden wir hier einen Hinweis darauf.

6 Kommentare

  1. lupita:

    genau das habe ich auch gedacht, nach meiner morgentlichen Lektüre von Storchs und deinem blog und Tsp.- und Spiegel – online. Und dein Transforum – Audiobeitrag: Nur Liebe kann (d)eine Stadt verändern passt ja doch auch irgendwie…

  2. Trümmerlotte:

    Guten Morgen,

    solche Berichte schmeissen oberflächliche Ansichten über Schuld und Unschuld immer gründlich über den Haufen finde ich.
    Ich hab bei meinem Lütten schon in Grundschulzeiten oft bemerkt, dass er mit den typischen Schlägertypen immer bestens klarkam, einfach weil er selber null Agressionen ausstrahlt und auch auf keine anspringt. Im Gegenteil wird dann für die Fiesen mal ein Duplo nebenbei mitgekauft,
    “weil die eben kein Geld haben und das tut mir dann leid, Mama”.

    Und jetzt in der 5. wieder so Situationen.
    “Vor dem haben alle Angst, aber versteh ich nich, mir tut der garnix”… völlig faszinierend der kleine Kerl.

    Ich glaub, die fühlen sich von ihm in keinster Weise bedroht, müssen sich also nicht wehren. Und sie fühlen keine Angst bei ihm, was eveeeeentuell bedeuten könnte, dass sie sich angenommen fühlen (?), weil er ihnen ihre Ausstrahlung nicht wiederspiegelt.

    Ein kleiner Schläger hat immer einen Grund warum er zuschlägt und der ist wohl nicht, dass er von Geburt an ein mieses Stück ist.

    Hm, ist das unbiblisch, Schuld erklären zu wollen ? Aber es ist doch so offensichtlich…

    Liebe Grüße
    Trümmerlotte

  3. Cat:

    JA! … *heul*

  4. Hasos Tafel » Lottes Lütter:

    [...] hat einen guten Kommentar zu meinem Post von gestern geschrieben: Solche Berichte schmeissen oberflächliche Ansichten über Schuld und [...]

  5. Soziale Gerechtigkeit «:

    [...] die in unseren Städten und Gemeinden vorherrscht, ist dennoch Not da. Vor einigen Tagen postete Haso über Gewalt an Schulen; ein Thema, dass uns immer mehr beschäftigen wird und in dem Christen [...]

  6. soziale Gerechtigkeit – Hiob 31,15-22 – die Schönheit des Simplexen:

    [...] die in unseren Städten und Gemeinden vorherrscht, ist dennoch Not da. Vor einigen Tagen postete Haso über Gewalt an Schulen; ein Thema, dass uns immer mehr beschäftigen wird und in dem Christen [...]

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