2
Mai
2009

Politisch korrekt followen

Was haben NSF, EEOC_OFO, USJFCOM, OPM, USGS, ONDCP, LLIS, DHS, USDOL und HHS gemeinsam? Richtig, es sind alles Organisationen, denen das Weiße Haus auf Twitter folgt. Barack Obama rüstet 2.0mäßig auf. Per Facebook, MySpace und Twitter soll die Kommunikation mit dem Bürger intensiviert werden. Der Wahlkampf des 44. Präsidenten der Vereinigen Staaten hatte diesbezüglich neue Standards gesetzt, hinter denen das Weiße Haus nicht länger zurückbleiben sollte und will.

Natürlich hat eine Institution wie das Weiße Haus, wenn sie zu twittern beginnt, viele Follower und wenige, denen sie selbst folgt. Heute Mittag sahen die Zahlenverhältnisse so aus:

Dabei interessieren mich weniger die 23.621 – inzwischen schon auf über 27.000 angewachsen -, sondern die 61. Wem folgt das Weiße Haus? Wovon sind Interesse und Auswahl bestimmt? In Deutschland wäre die Verfügbarkeit eines entsprechenden Angebots (noch) ein gravierender Faktor. Wer nicht twittert, dem kann man nicht folgen. Aber in den USA scheint, wie gleich zu sehen sein wird, die Information per Tweet inzwischen allgemein verbreitet zu sein.

Ein anderer Eindruck drängt sich auf, wenn man die Liste der 61 durchgeht: Es sieht so aus, als solle die Auswahl signalisieren, dass der Präsident und sein Stab alle wichtigen politischen und gesellschaftlichen Bereiche im Auge behalten. Wenn dieser Eindruck zutrifft, dann könnte man aus der Tatsache, dass diese Bereiche unterschiedlich stark vertreten sind, Rückschlüsse auf die Gewichtung ziehen, die ihnen jeweils zugemessen wird. Hier einige Zahlen:

29 “Nachgefolgte” kommen aus klassischen Bereichen, die auch unter ganz anderen Präsidenten ihre Bedeutung hatten, wie Sicherheit, Militär und Wirtschaft. Weitere 29 stehen für politische und gesellschaftliche Aktivitäten, die stärker den Wandel betonen oder sozialen Bereichen zuzuordnen sind, wie Natur und Umweltschutz, Gesundheit und Engagement von Freiwilligen.

Interessant ist es, die Zahlen im Detail zu betrachten. Am stärksten vertreten ist der Bereich Natur und Umwelt (9 Einrichtungen, denen das Weiße Haus folgt), danach kommen Gesundheit (8) und Sicherheitsinstitutionen wie das FBI oder die Home Security (8). Je 5mal vertreten sind das Militär, Organisationen von und für Volunteers, die klassischen Wissenschaften (einschließlich großer Bibliotheken) sowie die eigentliche Regierungsarbeit. In den letzten Bereich gehört der einzige spanischsprachige Twitter-Account, ein erster Hinweis auf sorgfältige Berücksichtigung von Minderheiten. Wirtschaftsinstitutionen sind 4mal abonniert.

Je einmal vertreten sind Einrichtungen für Arbeit, Bildung, Verbraucherschutz, Drogenbekämpfung und Sozialleistungen. Das Thema Frauen ist explizit nur im Bereich Gesundheit vertreten (womenshealth), implizit neben anderen in der ebenfalls verfolgten Antidiskriminierungs-Kommission (EEOC).

4 Einrichtungen schauen über den traditionell hohen amerikanischen Tellerrand. Neben Hillarys Außenministerium handelt es sich um Organisationen für Entwicklungshilfe und interkulturellen Austausch sowie eine Informationsstelle für Auslandsreisende. Der Betonung freundschaftlicher Beziehungen zu Israel dürfte die Aufnahme des Holocaust-Museums dienen.

Etwas aus dem Rahmen fällt der einzige Twitter-Account eines Bundesstaates. Im Weißen Haus verfolgt man die Tweets von “Idaho’s official website”. Die einzige Erklärung, die mir hierzu einfällt, ist eine recht menschliche: Vielleicht stammt ein heimatverbundenes Mitglied der Web2.0-Crew des Präsidenten aus dem Gem State und hat seinem Herkunftsstaat auf diese Weise eine Bedeutung verschaffen wollen, die er sonst nicht hat.

1 Kommentar

  1. SecondAttempt:

    Kluge Analyse! Wenn jeder sich darüber im Klaren wäre, was man evtl. aus seiner “following” Auswahl bei Twitter herauslesen könnte, wären die Listen vermutlich wesentlich kürzer ;-)

    Grüßle, Sec

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