17
Mai
2009

Kapitalistische Nachbetrachtungen zur Bundesligasaison

Die Bundesliga-Saison 2008/2009 ist seit gestern vorbei – zumindest für einen Hertha-Fan wie Haso. Nun gut, ein kleiner Rest bleibt neben der Trauerarbeit über die verpasste Meisterschaft. Wenn die Hertha sich noch einmal aufrappelt und den KSC schlägt, ist die Champions League Qualifikation gesichert. Und es gibt berechtigte Hoffnung auf die zweitschönste Option, die die Bundesliga zu bieten hat, nämlich ein titelloses Jahr des FC Bayern.

Trotzdem ist die Saison gefühlt vorbei. Deshalb schon an dieser Stelle einige kapitalistische Nachbetrachtungen. Geld regiert die Welt und die Bundesligatabelle. Schauen wir uns die Fakten an und erstellen eine Kosten-Nutzen-Analyse.

Die folgende Aufstellung zeigt Etat, Tabellenstand und Punktezahl der Bundesligavereine. (Mir ist bewusst, dass die Zahlen anfechtbar sind. Zum einen geben sie den geplanten Etat vor Beginn der Saison an und sind sicher in der abschließenden Bilanz nach oben oder unten zu korrigieren. Zum anderen umfassen die Etats immer mindestens die Kosten der Lizenzspielerabteilung, aber möglicherweise bei einzelnen Vereinen auch noch andere Ausgaben. Doch für den heutigen Zweck dürften die Werte ausreichen.)

Ein erster Blick zeigt, dass die Vereine meist in der Nähe des Tabellenplatzes ankommen, den sie sich finanziell leisten konnten. Der Rang in den Ausgaben unterscheidet sich in 70% der Fälle um nicht mehr als 3 Plätze vom Tabellenplatz des Vereins. Ein zweiter Blick und eine neue Sortierung der Tabelle zeigt mehr:

Hier ist zusätzlich angegeben, um wieviele Plätze der Tabellenrang vom Millionenrang abweicht. Man sieht, dass der Erfolg des VfL Wolfsburg nicht überraschend, sondern wirtschaftlich logisch ist. Ähnlich genau im Maß des zu erwartenden sind Leverkusen, Frankfurt, die Bayern und Hoffenheim.

Es sind nur fünf Vereine, deren Tabellenstand sich um mehr als 3 Plätze vom eingekauften Rang unterscheidet. Am unteren Ende sind es die in dieser Saison unberechenbaren Bremer und vor allem die Kapitalvernichter der Liga, der 1. FC Köln. Am oberen Ende sind, was die Kosten-Nutzen-Berechnung von Etat und Tabellenstand betrifft, Hertha, Dortmund und Stuttgart die erfolgreichsten Teams. (Der Trainer ist eben doch entscheidend, denn die Hertha hat den besten Trainer der Liga.)

Betrachten wir Kosten und Nutzen noch von einer anderen Seite. Was kostet ein Bundesligapunkt? (Nicht beim Schiri, sondern betriebswirtschaftlich.)

Die Summe aller vor Beginn der Saison eingeplanten Millionen betrug 647, die Summe aller bisher erzielten Punkte beträgt 820. Ein Punkt kostet also durchschnittlich 820/647 = 1,27 Millionen Euro.

In der Praxis weicht die tatsächlich erreichte Punktzahl der Vereine in der Regel um nicht mehr als 33% von der Rendite-Erwartung aufgrund der Höhe der Investition ab. Eine Ausnahme bilden nur 6 Vereine. Missgewirtschaftet haben vor allem wieder die Kölner. Eine beeindruckende Rendite können Hertha, Bochum, Dortmund und Bielefeld aufweisen.

Ich bin stolz auf unsere Mannschaft. Es wäre mehr drin gewesen, aber sie hat immer noch von allen Vereinen am meisten aus ihren Möglichkeiten gemacht. Und nächste Saison bin ich wieder dabei, wenn es heißt: “Hey, das geht ab. Wir holen die Meisterschaft.”

6 Kommentare

  1. Seccond Attempt:

    Was sagt mir, als jemandem, den Fußball ungefähr so sehr interessiert wie eine Kuh das Boxen, diese nette Auflistung nun?
    Ganz eindeutig zeigt sich jedenfalls, dass jeder wirkliche Fan einer Fußballmanschaft immer noch einen Blickpunkt findet, von dem aus er stolz auf seine Mannschaft sein kann!

    Grüßle, Sec

  2. Haso:

    @ secondattempt: so isset. man muss als fan seine selbstheilungskräfte aktivieren.

  3. Martin Dreyer:

    Wahnsinn Haso, hast Du das etwa alles ausgerechnet? Oder fehlt da nur der passende Quellenverweis?

    Ich will jetzt keine Kokswitze im Bezug auf die Kölner machen (die Liste verlangt das förmlich), aber die Stimmung in der Stadt steht und fällt mit der Platzierung des Teams. Ich bin also froh, dass wir sicher drin sind, dass ist ein riesen Erfolg, nach sovielen Jahren zweite Liga. Dazu hatten wir riesen Verletzungpech, einen Stammspieler, der mitten auf dem Feld plötzlich zusammenbricht, usw. Und mit Poldi wird nächste Saison noch mehr drin sein, bestimmt…

  4. haso:

    ne, martin, nicht selbst gerechnet, sondern excel rechnen lassen. und euch mit poldi viel erfolg für die nächste saison.

  5. juppi:

    @ Seccond Attempt:
    ungefähr sowas hatte ich auch im Sinn, als ich die Auflistungen las.
    Als zweiten Punkt wollte Haso bei den schönen Auflistungen wahrscheinlich zeigen, wie viel besser “seine” Hertha gegenüber den Bayern ist.
    Auch das ist eindrucksvoll gelungen.

    @ Martin:
    Na nu, so viel Lokalpatriotismus?, “Wir, Martin D. und Köln?” Warts nur ab, nächstes Jahr stehst du am Heumarkt oder am Alter Markt und fängst Kamelle.

  6. sönke:

    kamele fangen in köln?
    sind da welche? wo denn??
    war neulich auch da hab aber leider keins gesehen..

Einen Kommentar hinterlassen:

Using Yaletown Theme for Wordpress.