7
September
2006

gezeichnet

Und Jakob blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte heraufkam. Und als er sah, daß er ihn nicht überwältigen konnte, berührte er sein Hüftgelenk; und das Hüftgelenk Jakobs wurde verrenkt, während er mit ihm rang. Da sagte er: Laß mich los, denn die Morgenröte ist aufgegangen! Er aber sagte: Ich lasse dich nicht los, es sei denn, du hast mich vorher gesegnet. Da sprach er zu ihm: Was ist dein Name? Er sagte: Jakob. Da sprach er: Nicht mehr Jakob soll dein Name heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast überwältigt. (1.Mose 32,25-29)

In Gottes Segen hineinzukommen ist nicht immer ganz einfach. Oft fühlt es sich so an, als müsste man ihm alles abringen, was man hat und als würde er nichts freiwillig geben – genau wie in der Geschichte von Jakobs Ringkampf mit Gott. Dieser Eindruck ist nicht ganz falsch, ganz richtig ist er aber auch nicht. So wie ich es sehe, gibt Gott sehr wohl freiwillig und gerne, aber wir bekommen nur etwas, wenn wir uns mit Ihm auseinandersetzen.
Das ist ein grosses Geheimnis, etwas, das schwer nachzuvollziehen ist. Aber es ist eine Erfahrung, die jeder von uns macht, der Gott wirklich kennen will und in seinen Wegen leben will. Unser Lebens verändert sich nur, wenn wir uns von Gott hinterfragen lassen, wenn wir uns immer wieder an die Bibel setzen, beten, anbeten usw. Nichts kommt von selbst, obwohl Gott alles schon gegeben hat. Vielleicht beschreibt ein Goethe-Wort besser als meine schwachen Worte, worum es geht: “was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es um es zu besitzen”. Das Erbe ist bereits da, es gehört uns: Christus ist gestorben und ihm haben wir alles, was Gott uns jemals geben kann (vgl. Kolosser 2,9-10). Dass dennoch so viele Christen so wenig Christus in ihrem Leben zu haben scheinen mag daran liegen, dass sie das Ihre nicht eingenommen, es nicht in Besitz genommen haben. Ohne ein liebendes Ringen mit dem Allmächtigen geht es nicht. Wer die intensive Auseinandersetzung mit Gott – und letztlich auch mit sich selbst! – scheut, der wird das Erbe nicht in Besitz nehmen.
Dabei geht es nicht um einen, ohnehin unmöglichen!, Sieg über Gott. Es geht darum, den Segen in unserem Leben zu leben. Wir werden im Kampf verändert, nicht Gott. Es war nicht Gott, der seinen Namen geändert hat und seitdem hinkte; aus Jakob wurde Israel, der hinkende Gottesstreiter.

Jeder, der in der Erkenntnis Gottes und in Gottes Kraft und Gegenwart lebt, hat diese Auseinandersetzung hinter sich und jeder trägt die Bundesmale. Ein gekrümmter Rücken vom vielen Studieren, ein in sich gekehrter Blick, eine übernatürliche Freude – man erkennt einen “Gottesstreiter”. Israels Bundesmal waren ein neuer Name und ein Hinken, auf das er Zeit seines Lebens stolz sein konnte. Von Jakobus berichtet Eusebius von Cäsarea, “dass er vom vielen beten Knie wie ein Kamel hatte”, Paulus trug die Malzeichen Christi an seinem Körper (Galater 6,17). Jesus selber ging gezeichnet in die Herrlichkeit ein (Johannes 20,27ff).
Sicher besteht das christliche Leben nicht aus Kampf, es ist im wesentlichen nicht hart. Dennoch erfordert es ein gewisses Mass an Ausdauer, Opferbereitschaft und Auseinandersetzung mit Gott(es Wort), um dahin zu kommen, wo Gott uns haben will.

[Der Originapost wurde am 29.12.05 veröffentlicht]

10 Kommentare

  1. Morti:

    “Jeder, der in der Erkenntnis Gottes und in Gottes Kraft und Gegenwart lebt, hat diese Auseinandersetzung hinter sich und jeder trägt die Bundesmale. Ein gekrümmter Rücken vom vielen Studieren, ein in sich gekehrter Blick,”

    Sag mal, meinst du das ernst???

  2. storch:

    sicher. die male mögen unterschiedlich sein, aber das heilige wird in dieser welt immer als fremd angesehen werden. bei einem sind´s die beschriebenen “symptome”, der nächste mag asketisch und abgeschieden leben. ist doch eine klare sache.
    woran stösst du dich?

  3. Morti:

    Ich weiß nicht, ob es ein Zeichen von Heiligkeit ist, das man asketisch und abgeschieden lebt oder nen kaputten Rücken hat.

    Für mich äußert sich es da durch: Erkennen die Menschen Christus in mir?
    Die von dir genannten Kriterien sind nicht die ersten Dinge, die ich damit verbinden würde!

  4. storch:

    na, jetzt legst du mir aber was in den mund. dass heiligkeit am christuscharakter hängt ist ja klar. aber dass der weg dahin spuren hinterlässt wohl auch. jakob wurde ja nicht israel nur weil er einen hüftschaden hatte, aber ohne wäre er es auch nicht geworden. ebenso die beiden anderen biblischen beispiele – nicht die kamelknie machten jakobus zum heiligen, aber ohne die kamelknie wäre er kein heiliger geworden.

    ebenso werden es viele nicht ohne vom studieren gebeugten (nicht kaputten! für einen kaputten rücken sollte man beten) rücken schaffen, oder ohne askese etc.

  5. Schrottys Blog » gezeichnet…:

    [...] Habe wieder was von Hasos Tafel für euch: [...]

  6. wald0r:

    Hi, fand folgende Sache sehr super:
    “Dabei geht es nicht um einen, ohnehin unmöglichen!, Sieg über Gott. Es geht darum, den Segen in unserem Leben zu leben. Wir werden im Kampf verändert, nicht Gott. Es war nicht Gott, der seinen Namen geändert hat und seitdem hinkte; aus Jakob wurde Israel, der hinkende Gottesstreiter.”

  7. Morti:

    Das der Weg dahin Spuren hinterläßt ist klar,
    woran ich mich nur störe ist, das du es rein auf äußerliche Dinge beschränkst. Es klingt was so, das man es körperlich sehen MUSS! Das daß passieren kann ist klar, aber ich denke körperliche Kenntzeichen sind kein Beleg für geistliche Erkenntnis. Wenn doch, sind wir schnell wieder Richtung Mittelalter unterwegs.

    Jakobus war schon ein Heiliger, Kraft Wiedergeburt doch das Streben danach, daß zu erkennen und umzusetzen, brachte ihn, der Überlieferung nach, zum beten! Warum gerade auf den Knien, sei auch dahin gestellt. Ist biblisch ja auch nicht belegt. Man kann ja auch in jeder anderen Position beten. Wenn ich zum Beispiel gerne im liegen bete, wäre mein äußerliches Zeichen, das ich total entspannt bin.

    Was eigentlich wichtig ist: Erkenntnis kommt aus der Beziehung zum Vater und die hat er uns nicht schwer gemacht. Wir können jederzeit Gemeinschaft mit ihm haben, nur müßte man dazu seine egoistische Prägung ignorieren. Wenn dabei körperliche Dinge helfen okay, aber sie sind keine Bedingung. Paulus sagt, das die Fleischliche Übung zu wenig nutzem ist. Es ist auch nicht so, daß wir Gott etwas abringen müßten. Er hat uns alles geschenkt!

    Übrigens sind die Male die Paulus hatte (nach meiner Meinung die Spuren von Auspeitschung, Steinigung etc.) nicht die Beding für seine Erkenntnis, sondern die Folge. Wegen der Erkenntnis, die er von Gott hatte, wurde er ja verfolgt.

  8. Kerstin:

    zitat morti: Warum gerade auf den Knien, sei auch dahin gestellt.

    meinst das ernst? aus ehrfurcht vor gott. die uns viel zu oft mangelt, glaub ich… im alten testament sind die leute schon auf den knien rumgerobbt oder auf den boden gefallen, wenn sie “nur” einen engel vor sich stehen hatten, der ihnen ne message vom höchsten verbraten hat. warum nicht viel mehr, wenn wir vor gott selbst sind?

  9. kiss the son. » Blog Archive » Und dann gibt es noch die anderen Tage.:

    [...] Bei Hasos Blogurlaubsvertretung (wie verrückt ist das denn eigentlich? *g*) hab ich heute gelesen: [...]

  10. storch:

    das ist auch nicht der punkt, morti. nicht die äusserliche haltung bringt die erkenntnis, sondern ein lebensstil der erkenntnis bringt (auch) äusserliche male hervor. so rum wird ein schuh daraus. wer eben viel kniend betet bekommt solche knie. wer seinen evengelistischen auftrag lebt wird ausgepeitscht usw. also kann man von den malen auf den charakter schliessen.

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