31
Oktober
2007

Die Ersten werden die Letzten sein

Gestern traf ich Bill Sunderland, einen amerikanischen Networker von visionSynergy. Er berichtete:

In den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts waren in vielen amerikanischen Städten Gemeinden die Ersten, zu denen die Stadtverwaltung ging, wenn ein neues kommunales Vorhaben an den Start gehen sollte. Doch dann begannen Gemeinden, sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung zurückzuziehen. Inzwischen sind Gemeinden die Letzten, zu denen eine Stadtverwaltung geht, wenn sie Partner sucht.

Wenn allerdings die Christen eines Ortes (wieder) anfangen, ihrem Ort zu “dienen”, dann erwerben sie sich – meist im Verlauf mehrerer Jahre – neues Vertrauen und man beginnt erneut, sie um Hilfe zu bitten.

Das beobachte ich auch hier. Kommunalen Verwaltungen kann das Wasser bis zum Hals stehen, aber der letzte Gedanke, auf den sie kommen, ist der, Gemeinden um Mithilfe bei der Lösung zu bitten. Wie sollten sie auch, wenn Christen bei ihnen nur auftauchen, um öffentliche Kohle abzugreifen, und ansonsten nur ihr eigenes Ding durchziehen.

Wo jedoch Christen das Gemeinwohl einer Stadt, eines Stadteils oder einer kommunalen Einrichtung suchen, da geschieht es an immer mehr Orten, dass man zu den Christen kommt und sie um Mithilfe und – ja, tatsächlich – gelegentlich sogar um Gebet bittet.

Vielleicht dauert es einige Zeit, bis es soweit ist. Leute, die in gesellschaftlicher Verantwortung stehen, haben ihre Erfahrungen. Normalerweise kommt niemand zu ihnen, ohne dass er seinen eigenen Vorteil sucht. Aber wenn sie spüren, dass Christen keine Interessenvertreter sind, sondern Leute, die “das Beste ihrer Stadt” suchen, können gute und vertrauensvolle Beziehungen entstehen.

5 Kommentare

  1. Günter J. Matthia:

    Amen! Preach it, brother!

    Den Zustand wünsche ich mir: eine Gemeinde Jesu Christi, die der Stadt (Kleinstadt / Dorf / Einöde) Bestes sucht.

  2. Peter:

    Hallo Haso,
    das was Du schreibst ist 100x besser als schweigen.
    (Entschuldige meinen Kommentar)

    “Wenn allerdings die Christen eines Ortes (wieder) anfangen, ihrem Ort zu “dienen”, dann erwerben sie sich – meist im Verlauf mehrerer Jahre – neues Vertrauen und man beginnt erneut, sie um Hilfe zu bitten.”
    Es ist eine Antwort auf die Frage wie sollen wir als Christen leben.
    Gruß
    Peter

  3. Zugpädagoge:

    Hallo Haso (und ihr anderen Leser und Schreiber),
    ich habe mir in den letzten 10 Jahre den Arsch für “Gemeinde” aufgerissen, war bei fast allen Veranstaltungen mindestens als loyaler Mitarbeit engagiert. Bis ich mir dann irgendwann der Gedanke kam “was kommt da eigentlich messbar bei rum?”
    Die Beantwortung dieser Frage führte mich in viele Gespräche mit Freunden, die Christen sind und auch mit solchen die kein Bock auf Gott haben. Das was du oben schreibst (die Gemeinden greifen die öffentlich Kohle ab und verdrücken sich wieder in ihren Gebetskeller) habe ich mehrfach live erlebt und kann dies auch aus meiner Sicht bestätigen.
    Seit über einem Jahr arbeite ich als Dipl. Sozialpädagoge in einem offenen Jugendzentrum (www.am-zug.de) und versuche genau mit dem Ansatz der “Stadt Bestes zu suchen” meinen Job zu tun. Bisher hat das echt gut funktioniert, alle wichtigen Behördenleiter kennen mich persönlich und wissen um unser vorbehaltloses Engagement bezüglich der jungen Generation. Man kam noch nicht zu mir, um sich auszuweinen oder Seelsorge in Anspruch zu nehmen aber es wachsen Beziehungen und irgendwie hat Gott ja auch noch einen Part darin. Aber ich sorge dafür, dass die Tür immer einen Spalt offen ist. Witziger Weise ist genau neben unserer Einrichtung eine Gemeinde (Ev. Freikirche), die genau die oben zitierten Symptome aufweist. Es gibt keine persönlichen Kontakte in das politische Umfeld der Region, sondern viele Kurse und Veranstaltungen mit geistlich tiefgehenden Inhalten. Ich frage mich, suchen das die Leute unserer Stadt? Wenn ja, wieso spricht sie das Angebot nicht an? Die Öffentlichkeitsarbeit läuft recht gut…

    Egal, wir gehen unseren Weg weiter gemäß dem Motto: Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

  4. suse e.:

    Hey, danke!! Macht mir gerade Mut:) Und ich seh´s genau so und wünsch mir nichts lieber als das!

  5. Haso:

    @zugpädagoge: willkommen in unserer runde. mach weiter so.

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