28
November
2007

Fünf Gründe, warum ich nach Erlangen fahre

Übermorgen fahre ich nach Erlangen, zum Emergent Forum. Was mich dort erwartet, steht auf der Webseite von Emergent Deutschland. Wer mich dort erwartet, hat Simon aufgelistet. Wer darüber berichtet, wird von Hufi protokolliert. Warum ich dorthin fahre, schreibe ich selbst.

1. Ich mag die Leute

Einige Teilnehmer kenne ich schon und freue mich darauf, sie wiederzusehen. Bei anderen werden endlich aus virtuellen Beziehungen echte Begegnungen. Das allein würde schon die Reise lohnen.

2. Ich trinke gern Kaffee

Die Veranstalter wissen, womit man mich fängt:

Während der gesamten Zeit wird uns eine Kaffeebar mit köstlichem Kaffee den idealen Rahmen zu Gesprächen und Begegnungen ausserhalb der Referate, Austauschrunden, Workshops und Open Space Angebote bieten.

Einen Kaffee bin ich DoSi schuldig, weil sein VfB inzwischen in der Bundesligatabelle vor meiner Hertha steht. Der erste gemeinsame Kaffee mit [depone] ist seit langem überfällig. Außerdem weise ich alle Teilnehmer nachdrücklich auf Punkt 4 aus Simons Impulsen zum Besuch von Konferenzen hin:

Such dir jemanden, der halb so alt oder doppelt so alt ist wie du … und spendier ihm einen Kaffee.

Ich erwarte, in Erlangen schätzungsweise drei- bis viermal mehr jüngere als ältere Teilnehmer anzutreffen (oder irre ich mich da?). Also spekuliere ich als Oldie darauf, dass auf jeden von mir spendierten Kaffee drei oder vier kommen, die mir von Leuten ausgegeben werden, die halb so alt sind wie ich. Das rechnet sich doch!

3. Ich bin neugierig

Wie könnte ich mir erlauben, etwas interessantes Neues, das an den Start geht, zu verpassen?

4. Ich möchte lernen, und ich möchte etwas beitragen

5. Ich liebe das Abenteuer

Die EC treibt teilweise eine riskante Theologie. Das macht einen Teil ihres Reizes aus. Nur wer hohes Risiko fährt, hat außergewöhnliche Chancen. (Ich glaube nicht, dass ich bei irgendeiner theologischen Institution damit durchkäme, einen Risikofaktor als positives Kriterium für theologisches Arbeiten anzusehen, aber in der EC darf ich das, oder?)

Worin dieses Risiko besteht, macht ein Beispiel deutlich, das Siegmund Freud erzählte: Ein Pastor wird zu einem todkranken Versicherungsvertreter gerufen. Die Familie des Sterbenden hofft, der Geistliche werde den Vater auf dem Sterbebett bekehren. Er geht in das Krankenzimmer, und der Besuch zieht sich in die Länge, was die Hoffnungen der Familie nährt. Schließlich kommt der Pastor zurück ins Wohnzimmer – mit dem Ergebnis, dass der Kranke ihm eine Versicherungspolice verkauft hat.

In dem Prozess, uns als Christen (zunächst theologisch) intensiv auf Kultur und Gesellschaft einzulassen, wird sich zeigen, wer auf Dauer wen stärker beeinflusst. Dieser Prozess ist nicht ohne Risiken. Ob am Ende unsere Gesellschaft transformiert sein wird oder wir zur postmodernen Variante eines harmlosen Kulturprotestantismus geworden sein werden, ist durchaus eine Frage. Aber gibt es eine Alternative?

Freuds Pastor könnte das Risiko vermeiden, indem er nicht zu Sterbenden geht, aber hat er diese Wahl? Christen, die ihr Pfund im sicheren Acker der Rechtgläubigkeit und gemeindlicher Abgeschlossenheit vergraben, werden im Evangelium nicht gelobt (Matthäus 25,14-30). Gelobt werden die, die es vermehren, indem sie es investieren, was doch einschließt, ihr Pfund dem Risiko des Marktes auszusetzen.

Ein größeres Abenteuer als die Theorie ist jedoch die Praxis. Die EC fordert meinen Lebensstil als Christ an einigen Stellen so stark heraus, dass ich gar nicht weiß, wie ich das machen soll. Aber seit wann sind Christen zu etwas berufen, was möglich ist? Die EC lässt mir weniger Möglichkeiten als manche andere Variante des Christentums, Nachfolge weichzuspülen, bis sie praktikabel ist. Doch Christsein wird spannend, wenn man anfängt, das zu tun, was einem unmöglich ist.

3 Kommentare

  1. [depone]:

    freue mich auf den kaffee mit dir. grüße.

  2. Ralf:

    Riskante Theologie? Ein Freund von mir sagt gerne: “Wirklich gute Theologie ist immer haarscharf an der Ketzerei vorbei…” Schade, das du in Erlangen bist. Der Kaffee wäre dir (ich bin 28) vermutlich sicher gewesen… Gruss, Ralf

  3. Emergent Marburg, Hamburg & Erlangen at einAugenblick.de:

    [...] Haso: • Fünf Gründe, warum ich nach Erlangen fahre [...]

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